Ich wollte über (m)einen Traum schreiben, schon vor Wochen. Hab’s nicht geschafft. Tatsächlich geträumte Träume kann ich nicht (be-)schreiben. Zu privat, zu dumm, zu albtraumhaft, zu märchenhaft.

Letzte Nacht: Ein Albtraum in Wirklichkeit. Ich erinnere mich jetzt, in diesem Moment, an eine andere Novembernacht, das muss über zehn Jahre her sein. In der Augsburger Heilig-Kreuz-Kirche spielte Giora Feidman. Wir ließen uns verzaubern von seiner wunderbaren Musik. Irgendwann im Lauf des Konzerts sagte er: „Ich spiele hier für euch. Ich, ein Jude, in einer evangelischen Kirche, in Deutschland. Das ist Frieden.“ Am Ende spielte er eine kleine, einfache Melodie, und forderte die Zuhörer*innen zum Mitsingen auf.

Wir gingen zum Parkhaus, um uns herum viele andere Menschen, wir summten alle die gleiche Melodie vor uns hin. Am Parkscheinautomat, im Aufzug. Glückselig, friedlich. Das war Frieden, Frieden und Glück zwischen uns, Frieden und Glück zwischen Menschen, die sich drei Stunden vorher noch völlig fremd gewesen waren. Ein Abend, den ich nie vergessen werde.

Gestern. Ich hüte die Enkelzwerge, nach langem Bespaßungsprogramm inklusive Fußball spielen, Peppa Wutz und Robin Hood gucken, zwei Geschichten vorlesen, Badprogramm abwickeln, noch eine Geschichte erzählen, singen, ist Ruhe im Kinderzimmer. Ich stricke vor dem Fernseher, bin müde. Dann Nachrichten. Mitten in der ZiB2 eine erste Meldung über die Anschläge in Paris. Ich mache den Fernseher aus, will nichts wissen, nichts hören, nichts sehen. Dann kommen meine Tochter und mein Schwiegersohn nach Hause, wir reden über Belangloses, Termine, Weihnachten, Fliegengitter, was man halt so redet.

Ich verabschiede mich und fahre in meine Wohnung, der Gedanke an die Nachrichten ist jetzt wieder da, und ich schalte den Fernseher ein, sitze geschockt da, eine Meldung nach der anderen, es wird immer schlimmer. Ich bleibe fast die ganze Nacht wach.

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