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Es bringt ja fast nix, im Netz mit Andersdenkenden, Hetzern und Neidern zu diskutieren. Die vorhersehbaren Antworten sind auf Dauer sowas von langweilig … und die endlos gleichen Vorwürfe à la „Gutmensch, naiv, werd erwachsen“ einfach nur öde und nervtötend. Ich gehe lieber auf meine Weise damit um – und heute stolperte ich über eine Meldung im Standard, die sich mit dem Thema „Hetzer fluten Netz mit Falschmeldungen“ befasst. Ich habe mich davon ein wenig inspirieren lassen und eine kleine Geschichte geschrieben.

Flüchtling findet Hirn

Flüchtlingsmärchenhausen, 3. August 2015

Asylsuchender sucht Asyl in Österreich und findet Gehirn am Straßenrand

Damit hat der junge Hassan S. (voller Name der Redaktion bekannt) aus Damaskus nicht gerechnet: Beim Abendspaziergang durch die gemütliche Zeltstadt stolperte er über einen grauen Klumpen, der im Rinnstein lag. Hassan ließ vor Schreck sein nagelneues Smartphone fallen, als er sich bückte, um die graue Masse näher in Augenschein zu nehmen. Der Klumpen sah widerlich aus, aber Hassan hatte Hunger – vielleicht war es etwas Essbares? Hätte er doch nur sein Lunchpaket nicht in den Mistkübel geworfen!

Mit dem Mittelfinger stupste er die Masse vorsichtig an. Der graue Klumpen schien fast lebendig zu sein, er pulsierte in unregelmäßigen Abständen vor sich hin. Da erkannte der junge, in Markenklamotten gekleidete Asylwerber: Was vor ihm lag, war ein Gehirn!

Hassan zögerte nicht lang. Ihm war klar: Dieses Gehirn durfte er nicht behalten, er musste es unverzüglich bei der Polizei abgeben. Schnell leerte er den Inhalt seines Plastiksackerls, in dem er einige Spenden bei sich trug, auf dem Gehsteig aus. Eh schon wurscht. Dann hob er das Gehirn vorsichtig hoch und legte es behutsam in das Sackerl. Beim Weggehen fiel ihm ein, dass sein Smartphone noch auf dem Boden lag, er hob es auf und schob es in die hintere Hosentasche.

Auf der Polizeiwache war Hochbetrieb. Viele andere Asylwerber hatten ebenfalls Gegenstände, Geldbörserl, Armbanduhren und Reisekoffer gefunden und wollten die Sachen schnellstmöglich abgeben. Hassan drängte sich vor. „Brain, fresh brain!“, rief er so laut er konnte, in der Hoffnung, dass die österreichischen Polizisten ein wenig englisch konnten. Seine Asylwerberkollegen ließen ihn vor, sie erkannten instinktiv, wie brisant die Lage war.

Rasch war Hassan von mehreren Beamten umringt, die alle einen Blick in das Sackerl mit dem originellen Fund werfen wollten. Polizeihauptmeister Hansi L., den die Redaktion später befragte: „Wir ham’s gar nicht glauben können! Ein echtes Gehirn hat der g’funden! Kein Fake!“

Hirnuntersuchung im Wiener AKH

Das Hirn wurde unter großen Sicherheitsvorkehrungen ins AKH gebracht. Eine gründliche Untersuchung sollte Aufschluss über den Eigentümer geben.

Professor M., eine Kapazität auf dem Gebiet der Hirnforschung: „Die bisherigen Untersuchungsergebnisse sind leider niederschmetternd. Wir haben eine ganze Reihe von Tests durchgeführt. Dazu haben wir das Hirn an einen Dummy angeschlossen. Nachdem die Blutversorgung stand und die Nervenbahnen alle aktiviert waren, stellten wir dem Hirn eine Reihe von Aufgaben. So sollten beispielsweise einzelne Finger bewegt werden. Der Dummy hob jedoch jedes Mal den rechten Arm. Dann verlangten wir, dass der Dummy zählen sollte. Beim ersten Versuch kam er bis 3. Wir erhöhten die Blutzufuhr. Jetzt rief der Dummy laut und deutlich: 88! 88! 88!, immer wieder. Im nächsten Schritt legten wir ihm einige Wörtertafeln vor. Wir befürchteten schon das Schlimmste – und so kam es auch: Statt ‚Menschen‘ las der Dummy ‚Pack, ausländisches, Gesocks, Gesindel‘ und Ärgeres. Am Ende der Testreihe röchelte er nur noch. Wir erkannten mit viel Mühe Wörter, die nach ‚Wirtschaftsflüchtling‘ und ‚alle abschieben‘ klangen.

Suche nach dem Hirneigentümer zwecklos

Laut Professor M. ergibt es wenig Sinn, nach dem Eigentümer des Gehirns zu suchen. „Wahrscheinlich vermisst er es nicht einmal“, mit diesen Worten legte M. das Hirn in einen Behälter mit Formaldehyd. „Für die Forschung“, sagte er, „obwohl es da wahrscheinlich nicht mehr viel zu forschen gibt. Dieses Hirn ist eher wertlos.“

Wie die Geschichte für den ehrlichen Hirnfinder Hassan S. ausgegangen ist, war bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt. Wir bitten jedoch unsere Leserinnen und Leser: Passen Sie auf, wo Sie hintreten!

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