In seinem Ratgeber-Buch „Jakobsweg im Smoking“ berichtet Philipp Winterberg über seine Cut-down-Aktionen. Cut down heißt, man schneidet aus allem die Etiketten raus. Weil die wiegen ja auch was. Er kommt damit auf eine Gewichtsersparnis von 131 Gramm. Ob diese 131 Gramm nun entscheidend sind oder nicht, darüber mag man geteilter Meinung sein. Ich finde ja, dass ich nicht jedes Gramm auf die Briefwaage und jedes Wort auf die Goldwaage legen muss. Morgen werde ich aber trotzdem alles einzeln wiegen (einfach weil’s mich interessiert). Eventuell schneide ich auch Etiketten aus den Klamotten (und zwar die bösen, auf denen XL steht).

Aber Cut down gab’s bei mir heute trotzdem – ich war nämlich beim Friseur. Da sind auch etliche Gramm zusammengekommen, die ich jetzt nicht mehr mitschleppen muss. Die Friseurin hat sich fassungslos meine Pläne angehört. Ich wollte einen Haarschnitt, der ohne Föhn auskommt. „Ja“, sagt sie, „nehmen Sie keinen Föhn mit?“

Ich: „Nein, den müsste ich ja die ganze Zeit tragen!“

Sie: „Aber Steckdosen gibt’s da schon, oder?“

Ich: „Vielleicht … „

Sie: „WAS! Keine Steckdosen!“

Ich: „Naja, Spanien … irgendwo wird’s schon eine Steckdose geben.“

Sie: „Hmm. Also ich hab‘ ja so einen Reiseföhn, der ist so klein (zeigt, wie klein der Föhn ist und sticht mir dabei fast ins Auge mit ihrer Friseurschere). Den könnt‘ ich Ihnen leihen! Für wenn doch mal eine Steckdose kommt! “

Ich: „Nein danke, das geht schon ohne Föhn.“

Sie: „Also wirklich. Ich könnt‘ das ja nicht, so ganz ohne Föhn …“

Später in der Apotheke:

Ich: „Und dann brauch ich noch x und y und z. Für die Reiseapotheke.“

Apothekerin oder Apothekersgehilfin: „Wo fahren Sie denn hin?“

Ich: „Nach Spanien.“

Sie: „Und genau?“

Ich: erklär, erklär, erklär … Jakobsweg, Rucksack, 800 km, sieben Wochen …

Sie: „Ist’s da jetzt schon warm?“

Ich: „Teilweise. Ich find halt das Frühjahr für so etwas besser, im Sommer wär’s mir zu heiß.“

Sie: „Also ich weiß nicht – ich war ja voriges Jahr in Mallorca (in, nicht auf!), im Juli, da war das Wetter grad recht!“

Ich: „So so. Mallorca. Gab’s da Steckdosen?“

Sie (guckt verwirrt): „Ja, warum?“

Ich: „So halt. Und dann krieg ich noch Leukoplast, bitte.“

Noch etwas später im Sportgeschäft:

Sportgeschäftsverkäufer: „Und wo geht’s dann hin?“

Ich: „Jakobsweg.“

Er: „Wow! Da will ich auch mal hin! Der ist in Spanien, gell?“

Ich: „Ja, auch.“

Er: „Wieso, auch … gibt’s denn woanders auch noch?“

Ich: „Ja, man kann praktisch auch von zu Hause aus losgehen.“

Er: „Ach! Von hier aus! Mariazell, oder? Das ist ja toll!“

Ich: „Ja, das ist aber eigentlich ein anderer Pilgerweg.“

Er: „Wie jetzt, da gibt’s mehrere?“

Ich: „Ja.“

Er: „Aber Sie gehen schon den richtigen, oder?“

Ich: ???

Er: Also den in Spanien, mein ich.“

Ich: „Die sind alle richtig. Ich hab‘ gemeint, man kann auch direkt von daheim aus starten!“

Er (schüttelt den Kopf): „Von daheim … so was …“

Cool down.

 

 

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