Eines der letzten Gewichts- und Umfangsprobleme beim Packen des Rucksacks war der Schlafsack. Ich muss vorausschicken, ich mag keine Schlafsäcke. Ich vertrag das nicht, wenn ich in irgendetwas eingepackt bin. Mindestens ein Bein muss aus dem Bett heraushängen, unter der Bettdecke hervorschauen – das würde also bedeuten, dass ich meinen Schlafsack mit einer zusätzlichen Beinöffnung versehen müsste …

Aber gut, ich seh’s ja ein, in den Herbergen braucht man einen Schlafsack. Ich bestellte also einen. Der kam schon vor einigen Monaten hier an. Ich legte ihn zur Seite, es war ja noch sooo viel Zeit. Dann packte ich mal zur Probe. Das Schlafsackding füllte den halben Rucksack. Glücklicherweise konnte ich ihn noch umtauschen. Ich erhielt einen Gutschein. Dann bestellte ich den nächsten. Der kam und war leichter, aber immer noch recht voluminös. Diesen schickte ich sofort zurück, ich erhielt wieder einen Gutschein. Für den Gutschein bestellte ich jetzt zwei Hosen. Die passen, sind bloß zu lang. Soll bei kurzbeinigen Menschen ja vorkommen und kann behoben werden.

Die beiden Schlafsäcke, die ich bestellt und zurückgeschickt hatte, hatten natürlich noch eine weitere Schwachstelle: Keine Beinöffnung. Ich überlegte hin und her. Also, man braucht einen Schlafsack, weil man damit die Schlafstelle in der Herberge kennzeichnet. (Oberes Stockbett vielleicht – oh Graus!) Schlafsäcke schützen vor Ungeziefer (Bettwanzen – noch mehr Graus!). Schlafsäcke halten warm. Die ersten beiden Argumente lasse ich gelten, das dritte nicht. Mir ist nachts nicht kalt. Und in so einem Mumien-Daunen-Heizungs-Sack, das geht nicht. Womöglich noch zu bis zum Hals, alle Beine drin!

Ich bestellte jetzt einen Schlafsack Modell ultraleicht, aus einem Seiden-Baumwoll-Gemisch. Sanft wattiert und kuschelig. KEINE Mumienform. Der Schlafsack kam, ich stellte fest, dass ich bei der Wahl der Farbe leicht daneben gelegen hatte. Was der für eine Farbe hatte? Also, am besten erkläre ich es mit einer früheren Begebenheit. Als ich noch angestellt erwerbstätig war, bestellten manchmal Menschen bei mir Schleusen, Klappen und Schieber (Dosiertechnik). Diese Dinger sind aus Metall und können wahlweise in verschiedenen Farben lackiert werden. Ein Mensch bestellte also telefonisch eine Klappe, einfache Ausführung, handbetrieben, in RAL 8007. Ich freute mich immer, wenn jemand eine Sonderlackierung bestellte, denn unsere Standardlackierung war so ein hässliches Mülltütenblau. Dementsprechend war ich  neugierig und fragte, was das denn für eine Farbe sei. Die Antwort wird mir für immer im Gedächtnis bleiben: „Stellen Sie sich einfach ein dezentes Kackbraun vor!“ Ja, so eine Farbe hatte nun auch der ultraleichte, soft wattierte, kuschelweiche Schlafsack. Im Internet hatte er beige ausgesehen. Ich schickte ihn zurück und erhielt dieses Mal mein Geld wieder. (RAL 8007 heißt eigentlich „Rehbraun“, aber ich sag euch, das ist schlichtweg gelogen!)

Nun war ich zwar wieder um einige Euros reicher, aber hatte immer noch keinen Schlafsack. Ich beschloss, auf eine ganz andere Lösung auszuweichen. Irgendwo in der Miniwohnung war noch ein ganz dünner, himmelblauer Seidenschlafsack (schöne Farbe!), außerdem eine Fleecedecke (grau) und ein aufblasbares Kissen. (Ein Kissen brauche ich nämlich auch unbedingt, mindestens so dringend wie die Möglichkeit, ein Bein aus dem Bett hängen zu lassen). Diese drei Gegenstände waren zusammen viel, viel leichter als alle bisherigen Schlafsäcke. Ich schlief im Seidenschlafsack und unter der Fleecedecke zur Probe. Um echtes Herbergsfeeling zu simulieren, ließ ich das Fenster ganz auf. Es war kalt, draußen und drinnen. Aber mir war warm. Also, das müsste reichen, dachte ich. Bis ich mich wohl zu schwungvoll umdrehte und der Stoff des Schlafsacks ein hässliches Geräusch von sich gab. Fast so schlimm wie ein Schnarcher im Nebenbett. Der Seidenschlafsack hatte jetzt einen kleinen Riss, aber nicht dort, wo man vielleicht ein Bein durchschieben könnte.

Ich bestellte den vierten und letzten Schlafsack. Mikrofaser, dunkelblau, geräumig. Er kam vorgestern hier an. Heute Nacht werde ich in diesem Schlafsack schlafen. Zur Probe. Das Bein muss drin bleiben, aber er ist so geräumig, dass ich mir einreden kann, das Bein hinge heraus.

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