… steht mein Drucker. Der wenige Platz, den ich in meiner Wohnung zur Verfügung habe, macht unkonventionelle Stelllösungen notwendig. Ha! Ich wollte immer schon mal ein Wort mit drei „l“ schreiben! Aber diese Stelllösung ist gar nicht so dumm. Denn den Drucker brauche ich nur selten, so kann ich ihn zumindest als Fussstütze nutzen. Ja, ich weiß, Fußstütze schreibt man Fußstütze und nicht mit drei „s“. Außer in der Schweiz. Die haben nämlich gar kein „ß“, die Schweizer. Irgendwie arm.

Ich bin momentan in der Endkorrekturphase von Texten für eine Schweizer Webseite, da muss überall das „ß“ raus und dafür ein „ss“ rein, ob’s nun passt oder nicht, das ist den Schweizern egal. Eine Masse von Leuten im Möbelgeschäft, die alle die Masse eines Tisches oder eines Schranks wissen wollen – oder doch die Masse, aus der der Tisch hergestellt ist? Holz oder Spanplatte? Mass für Mass oder Augenmass? Es geht hier drunter und drüber, wie man sieht. Nicht nur in diesem Text, sondern auch in der Arbeitsmenge, die für heute Nacht und morgen noch anliegt. Ich schreibe auch nur deshalb momentan in meinem Blog, weil ich eine akute Korrektur- und Schreibblockade überwinden muss. Ich mag nämlich nicht mehr. Viel lieber würde ich jetzt die Finger ausschütteln und die Füße hochlegen – womit ich wieder bei meinem Drucker bin.

Ein Drucker war es auch, der mir vor vielen, vielen Jahren einen fürchterlichen Schrecken eingejagt hat. Das ging so:

Ich bekam neue Schuhe. Im Schuhgeschäft unseres Vertrauens gab es für die Kinder damals bunte Heftchen, in denen ein schwarz-gelb gefleckter Salamander namens Lurchi die Hauptrolle spielte. In der Nacht nach diesem Schuhkauf träumte ich von Lurchi. Lurchi verfolgte mich, er war wahnsinnig schnell und ich kam kaum vom Fleck. Immer, wenn ich dachte, dass ich ihm endlich entkommen sei, war mir Lurchi schon wieder auf den Fersen. Ich verstand nicht so recht, warum ich vor ihm Angst hatte, denn eigentlich mochte ich ihn. Wahrscheinlich lag es daran, dass er in meinem Traum viel größer war als in den bunten, kleinen Heften.

Ich rannte und rannte, Lurchi immer hinterher. Er wurde auch immer noch größer, und plötzlich war er nicht mehr hinter mir, sondern vor mir. Lurchi breitete die Arme aus, ich rannte direkt in ihn hinein. Dann drückte er mich ganz fest, und ich wachte endlich auf. In meiner Verzweiflung rannte ich weiter, bis zum Bett meiner Mutter. Davor blieb ich stehen und schluchzte (ihren Erzählungen nach kaum verständlich, aber herzzerreißend): „Der Drucker! Der Drucker!“

Man muss dazu wissen, dass in der Gegend, in der ich aufgewachsen bin, niemals irgendjemand gedrückt hat. Das „ü“ in „drücken“ war uns zwar bekannt, wir konnten es schreiben und wir konnten es lesen, aber wir sprachen es nicht aus, niemals nicht. Wir „druckten“. „Druck mich mal“ war ein Synonym für „umarme mich“; auch zu enge Schuhe drückten nicht, sondern druckten.

Warum mir das jetzt alles einfällt? Heute sah ich irgendwo ein Foto vom Camino mit einem Lurchi. Und unter meinem Schreibtisch steht ein Drucker – alles klar?

So, nun gehe ich mal an die letzten Arbeiten für heute. Inzwischen bin auch wieder sehr tolerant den Schweizern und ihrem „ss“ gegenüber. Denn wer statt drücken drucken sagt, darf sich schließlich nicht über andere sprachliche Besonderheiten lustig machen.

Advertisements