Gestern fuhr ich nach erfolgreicher Mission in der alten Heimat wieder nach Hause zurück. Die Strecke von Salzburg nach Wien wie immer mit der Westbahn. In der Westbahn kann man die Fahrkarte direkt im Zug kaufen, der oder die FahrkartenverkäuferIn kommt an den Sitzplatz, fragt nach der gewünschten Strecke und verkauft das Ticket. Bezahlen kann man bar oder mit der EC-Karte (die in Ö übrigens „Bankomat-Karte“ heißt). Recht praktisch und bisher meist unproblematisch. Dieses Mal aber …

Es spielen mit: Der Fahrkartenverkäufer (jung), seine Kollegin (nicht mehr ganz so jung), ein Ehepaar (mittelalt) und ich (auch mittelalt).

Männlicher Teil des Ehepaars (im vorderen Bereich des Waggons): Nein, nein, das passt nicht, wir wollen zweimal Wien, keine Rückfahrt, und wir zahlen bar.

Kartenverkäufer: Das tut mir jetzt leid, ich habe die falschen Tickets ausgedruckt … ey, Anne, kannst du mal schnell schauen?

Fahrkartenverkäufers Kollegin (sehr leise): Du musst die Tickets nochmals drucken, die anderen musst halt irgendwie …

Weiblicher Teil des Ehepaars: Ja, aber wir könnten doch vielleicht …

Männlicher Teil des Ehepaars: Bist deppat?

Fahrkartenverkäufer: Immer mit der Ruhe die Herrschaften! Ich hab’s gleich!

Männlicher Teil des Ehepaars: Jo eh. Wir hom Zeit.

Fahrkartenverkäufers Kollegin: Jetzt mach schon!

Weiblicher Teil des Ehepaars: Kumman die heit no, die Tickets, oder miass ma wieder aussteign?

Fahrkartenverkäufer: Ja, sofort, sofort!

Tickets werden gedruckt, Geld wird kassiert, Fahrkartenverkäufer eilt an meinen Sitzplatz.

Ich: Einmal Wien, Bankomat-Karte.

Fahrkartenverkäufer: Ähm … entschuldigen’s bittschön … kennen Sie schon unser Seniorenticket?

Ich: Wie bitte?

Fahrkartenverkäufer: Ja damit können’s günstiger fahren!

Ich: Ab wann ist das?

Fahrkartenverkäufer: Für heut‘!

Ich: Ab welchem Alter?

Fahrkartenverkäufer (strahlt mich an): Ab SECHZIG!

Ich: So. Ab sechzig. So alt bin ich noch nicht.

Fahrkartenverkäufer (läuft rot an): Tschuldigung. Ich hab bloß, da war vorhin, da hab ich, so aus Versehen …

Ich: … auch schon zwei Leute zu Senioren gemacht, die noch gar keine sind?

Fahrkartenverkäufer: Ja also … das ist mir jetzt peinlich …

Ich: Einmal Wien bitte. Mit Bankomat-Karte.

Fahrkartenverkäufer (tippt auf seinem Bezahl- und Ticketausgabe-Gerät herum): Mit Rückfahrt?

Ich: Nein.

Fahrkartenverkäufer (hält mir das Gerät hin): Jetzt PIN eingeben und bestätigen.

Ich (mach das alles)

Fahrkartenverkäufer (schaut auf das Gerät, schüttelt den Kopf): Da stimmt was nicht.

Ich: Was denn?

Fahrkartenverkäufer: Ähm … also … ich hab jetzt aus Versehen Ihr Ticket bei meiner Kollegin ausgedruckt … Moment … ich hol’s gleich …

Ich: Ja.

Fahrkartenverkäufer (eilt durch den Waggon, holt mein Ticket, kommt zurück): Und wegen dem Seniorenticket, also … das tut mir jetzt echt leid …

Ich: Sie sind ja noch jung. Das lernen’s schon noch – wie man die Leut‘ richtig anspricht, und wie man das richtige Ticket ausdruckt!

Fahrkartenverkäufer: Ja … also … ähm … das ist jetzt Ihres … und es ist mir wirklich peinlich …

Ich: So arg lang hab ich ja nicht mehr hin, bis zum Seniorenalter – und wenn Sie mal wieder nicht wissen, ob ein Fahrgast schon alt genug ist …

Fahrkartenverkäufer: Ja?

Ich: Dann sagen’s einfach: Schade, dass Sie noch zu jung für unser Seniorenticket sind, sonst könnten Sie jetzt schon günstiger fahren! Aber das lernen’s schon noch.

Fahrkartenverkäufer: Ja … ähm … also … danke … und gute Fahrt! (Abgang zum nächsten Fahrgast)

Weiblicher Teil des Ehepaars (steht auf und schaut her, schubst den Mann an): Schau amoi, die Frau do hinten! Dera wollt‘ er auch das Seniorenticket verkaufen!

Der Fahrkartenverkäufer schlich danach etwas geknickt durch den Zug. Langsam normalisierte sich seine Gesichtsfarbe wieder. Das mittelalte Ehepaar und ich gingen später gemeinsam auf einen Kaffee. Hier stellte sich heraus, dass der Fahrkartenverkäufer auch für den Kaffeeverkauf zuständig war. Wir überlegten kurz, ob wir extra eine seniorenfreundliche Variante bestellen sollten – ohne Koffein, nicht so stark – und am besten in der Schnabeltasse … aber so böse waren wir dann doch nicht!

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