L’Esprit du Chemin, auf deutsch der „Geist des Weges“, ist der Name der Herberge in Saint-Jean-Pied-de-Port, in der ich für die zweite Nacht einen Schlafplatz reserviert habe. Die erste Nacht schlage ich mir in Madrid am Flughafen um die Ohren, nachdem ich erst nachts ankomme und am nächsten Morgen sehr früh nach Pamplona weiterfliege, lohnt sich kein Zimmer. Von Pamplona aus geht’s dann mit dem Bus nach Saint-Jean-Pied-de-Port. Diese Anreisevariante ist von Wien aus am günstigsten.

Der (gute!) Geist des Weges ist mir letzte Nacht im Traum erschienen. Ich habe ja schon drauf gewartet, dass endlich die wilden Träume losgehen. Denn bei allen bisherigen Großereignissen in meinem Leben habe ich die Nächte vorher alle möglichen Katastrophen – und oft auch Lösungen – im Traum erlebt. So auch jetzt: Ich träumte vom Tag der Abreise. Natürlich war NICHTS gepackt! Stattdessen fand ich im Kühlschrank Sachen, die unbedingt noch gekocht werden wollten. Wer schon einmal im Traum gekocht hat, weiß, wie schwer das ist. Aber: Man kann dabei sehr kreativ würzen! Irgendwann stand ich vor Unmengen von fertigem Essen und stellte fest, dass das Zeug nicht in meinen Rucksack passte. Also ab zum Nachbarn damit. Dort wurde renoviert, ich stolperte mit einem großen Topf in der einen Hand und meinem Regencape in der anderen über einen Eimer voll Farbe. Der Nachbar lachte. Gemein, was? Gleichzeitig war ich – völlig ohne Gepäck – am Flughafen. Dort sollte ich meine Geburtsurkunde vorzeigen. Der Rucksack sei im Keller, teilte mir irgendjemand mit.

Im Hintergrund lachte schon wieder jemand. Unverschämtheit, wie kann man sich nur so über andere Leute lustig machen! Jetzt merkte ich auch, dass ich einen roten und einen blauen Schuh anhatte. Auf der Hose war ein Aufkleber, darauf stand etwas, was mir im Traum Angst machte, jetzt weiß ich es aber nicht mehr. Von weit, weit weg hörte ich eine Stimme: „Du bist sowieso zu spät dran, jetzt musst du das erste Stück eben laufen!“ Ich fragte vorsichtig nach, wie weit es denn sei. Jemand drückte mir einen großen Würfel in die Hand. Ich würfelte und gewann die Strecke von Aichach nach Ninive. Das war der Moment, als ich merkte, ich träume ja nur.

Sobald ich an diesem Punkt bin, kann ich mich völlig entspannen. Der Traum wird dann zum Film, manchmal kann ich sogar die Handlung beeinflussen. Ich erinnerte mich, woher diese merkwürdige Strecke kam (eigene Geschichte, vielleicht irgendwann); der Gedanke an Ninive, Jona und den großen Fisch beruhigte mich auf wundersame Art und Weise. Ich wusste in diesem Traum, wenn ich nicht mehr weiterlaufen kann, dann kommt von irgendwoher ein großer Fisch, der mich verschluckt und in Santiago de Compostela wieder ausspuckt.

Ist das nicht großartig?

 

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