Gestern ist mir das Missgeschick mit „Bildschirm quer“ passiert. Nachdem die liebe Wortzauberin dazu kommentiert hat, ist mir eine sehr lange zurückliegende Geschichte eingefallen.

Meine Mutter war eine begeisterte Hobbyfotografin. Sie fotografierte am liebsten im Urlaub, Meer, Meer, und noch mehr Meer, am liebsten mit Leuten davor. Wo wir überall waren, und wer da noch alles gleichzeitig war, das wurde alles liebevoll dokumentiert und war Anlass für unzählige Dia-Abende.

Diesen Abenden ging immer eine längere Prozedur voraus, denn es musste ja jedes einzelne Bild sorgfältig gerahmt werden. Auf dem Tisch stapelten sich Hunderte von Diarähmchen, in kleinen Pappkartons waren die dazu passenden winzigen Glasscheiben. Jedes einzelne Diapositiv wurde zurechtgeschnitten,  begutachtet, für gut befunden (auch die schlechten! die verwackelten! die unterbelichteten! die überbelichteten! die gehen schon, sind halt nicht sooo besonders …). Ich kann mich noch erinnern, dass die Rähmchen, das Diapositiv und die Glasplatten mit einer Art Klebeband verbunden wurden. Das Klebeband bestand aus Papier mit einer Beschichtung und musste angefeuchtet werden, das durfte ich immer machen. Später gab es dann fortgeschrittene Modelle mit einer Klickmechanik.

Wichtig war, dass beim Einrahmen das Format beachtet wurde.

Trotz aller Sorgfalt passierte es aber einmal, dass mehrere Hochformate nach dem Einrahmen quer daherkamen. Die Diarähmchen waren rechteckig, einfaches Drehen nutzte also nichts. Mama hatte entweder keine Zeit mehr, das nochmal zu ändern, oder es waren keine Rähmchen mehr da, das weiß ich nicht mehr genau, ich vermute aber, es lag an der Zeit. Bei den Erinnerungsbildern, die ich jetzt im Kopf habe, standen die Hauptpersonen nämlich schon bereit und warteten auf ihren Einsatz: Leinwand und Diaprojektor.

Es war ein Diaprojektor, in den sie jedes Bild einzeln einlegen musste, also kein besonders komfortables Modell. Spezielle Gäste gab es bei den Bilder-guck-Abenden nicht, die Familie war ja so schon groß genug.

Der nun folgende Dia-Abend ist aus Gründen der Authentizität in meinem Heimatdialekt geschrieben.

Mama: Also, des in Ritschione. (Bild mit Meer und Mann davor)

Tante: Echt! Ui, wer isn des? Is des der Paul?

Mama: Ja, dia war’n heier o wiedr do.

Onkel: Und am Paul sei Frau, wo is dia? Hockt dia im Strandcafé?

Mama: Wart amol gschwind, kommt glei. (Bild mit Mann und Frau davor)

Onkel: Und d’Kinder? Hosch dia o drauf?

Mama: Na, dia wolltn net, dia warn immer bloß im Wasser odr ham gsandlt. (Bild mit Meer und anderem Mann)

Tante: Den kenn i  net.

Mama: Freilich kennsch den! Des is der Sepp, der immer mitm Thermometer ins Wasser geht!

Tante: Ah ja! Der Sepp! Hot der echt jeds Johr sei Thermometer dabei!

Onkel: Und jedn Tag schreibt er auf, obs kalt war oder net. Oder wia kalt dass s’Wasser war.

Ich: Mir war des Wasser z’kalt.

Onkel, Tante und Mama: Di frierts ja allweil! (Bild mit Meer und mir)

Tante: Do is ja! Warum gehschn net nei!

Ich: Weils mir zkalt war. (Bild mit Meer, Mann, Frau, im falschen Format)

Tante: Was isn do los!

Mama: Wart, i tuas no amol nei. (nimmt das Dia aus dem Projektor, dreht und wendet es, legt es nochmal ein)

Zweiter Onkel: Scho wieder! Do sieht ma ja gar nix G’scheits!

Mama: No amol, glei hab is. (Bild mit Meer, Mann, Frau, im falschen Format)

Tante: Immer no! Hosch des falsch eigrahmt?

Mama: Mei, jetzt stellts eich doch net so a! Legts halt da Kopf quer, no gehts scho!

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