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Auf den Tag genau heute vor zwei Jahren fasste ich den Entschluss, nach Wien zu ziehen. Irgendwann am Nachmittag, so gegen halb vier. Dafür gab’s Gründe. Der Hauptgrund war eine (meine) emotionale Sollbruchstelle, daneben reichlich Wienbezug, ja vielleicht war der Wunsch, hier zu leben, schon lange latent vorhanden.

Eine Sollbruchstelle ist gemäß Fastalleswisser Wikipedia „ein durch konstruktive oder mechanische bzw. physikalische Maßnahmen oder Auslegungen vorgesehenes Konstruktionselement. Im Schadens- oder Überlastfall wird dieses Element gezielt und vorhersagbar versagen, um hierdurch den möglichen Schaden in einem Gesamtsystem klein zu halten oder eine besondere Funktion zu erreichen.“

Daran anknüpfend definiere ich die emotionale Sollbruchstelle: Sie ist ein durch nachlassende Gefühle (ein- oder beidseitig) und/oder durch mangelnde Kommunikation in Beziehungen vorgesehenes Konstruktionselement. Oder besser Destruktionselement? Ja, mit Sicherheit war auch ein Destruktionselement beteiligt (um genauer zu sein: zwei; oder sogar mehrere?). Im Schadens- oder Überlastfall wird dieses Element gezielt und vorhersagbar versagen, um hierdurch den möglichen Schaden in einem Gesamtsystem klein zu halten oder eine besondere Funktion zu erreichen.

Den Schaden im Gesamtsystem klein zu halten, war zum damaligen Zeitpunkt nicht mehr möglich. Ich konzentrierte mich also im eingetretenen Fall auf diese Variante: „eine besondere Funktion zu erreichen“.

Soll heißen: Wenn’s nun schon so war, wie es war, dann konnte ich auch gleich ganz abhauen. Am besten dorthin, wo’s mir gefällt. Wien hielt und halte ich für eine der schönsten Städte der Welt (nicht, dass ich allzu viele kennen würde – aber Wien ist eindeutig schöner als meine Geburtsstadt, nicht so nass wie Venedig und viele sprechen hier deutsch oder so ähnlich). Hier lebt ein Teil meiner Familie. Außerdem kann ich von überall aus arbeiten, Internetanschluss reicht.

Das Interesse an Wien, das sich im Lauf der Jahrzehnte zur Liebe gesteigert hat, lässt sich auf eine ganz, ganz frühe Freundschaft zurückführen. Eine Freundschaft mit einer Wienerin, die es nach Deutschland verschlagen hat, und die mir ihre Heimatstadt so lebendig beschrieb, immer und immer wieder, dass ich unbedingt einmal dorthin wollte. Das liegt jetzt über vierzig Jahre zurück. 1974 war ich zum ersten Mal in Wien, dann 1979 und 1997. Nochmals zehn Jahre später zog meine Tochter mit Mann hierher. Nun wurden die Wienbesuche häufiger – besonders nachdem dann der große Enkel geboren war. Und die Abschiede fielen mir immer schwerer. Allerdings hätte ich niemals gedacht, dass ich tatsächlich irgendwann „auswandern“ würde.

Gedacht, gesagt, geplant, getan. Neun Wochen später zog ich um. Hier werde ich in loser Folge über die Kuriositäten bei meiner Wohnungssuche berichten, über den chaotischen Umzug, über meine Ankunft in Wien, Wien, nur du allein.

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