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Der kleine Schreibtisch ist beschwipst,
denn heut‘ ist doch Silvestern!
Sein Schreibtischbein ist eingegipst,
und das passierte gestern.

Ja, gestern ist er ausgebüxt
aus seinem Wohnschlafzimmer.
Er dachte sich: „Verdammt, verflixt,
warum soll ich denn immer

alleine in der Stube hocken,
ich möchte was erleben!“
Und machte sich schnell auf die Socken,
hinaus ins raue Leben.

Niemand bemerkte seine Flucht,
er war allein zu Hause.
Der Schreibtisch ließ nix unversucht,
er macht‘ die große Sause.

Es purzelte der kleine Tropf,
neugierig und putzmunter,
mit einer Mütze auf dem Kopf
die steile Stiege runter.

Draußen lagen Eis und Schnee.
Der Schreibtisch guckte lange.
Das Weiß tat in den Augen weh,
und fast wurde ihm bange.

Beim ersten Schritt schon wär beinah‘
am Eis er ausgeglitten.
Er blickte um sich, bis er sah:
Dort hinten steht ein Schlitten.

„Oh, ein Gefährt aus Buchenholz!
Da ist der Fall doch klar.
Auf geht die Fahrt, was bin ich stolz!
Den Berg hinunter, wunderbar!“

Er rodelte den Berg hinab.
Dem Schreibtisch wurde mau.
Er sauste rasend schnell bergab.
Dem Schreibtisch wurde flau.

Zu guter Letzt: ein schwerer Sturz.
Das Bein war ab, der Schreibtisch schrie,
und ihm entwich vor Schreck ein Furz,
er schrie noch mehr, und wie!

Bis endlich dann die Hilfe kam,
der Notarzt war zur Stelle.
Der sagte nur: „Nun bist du lahm,
und ich werde dir schnelle

das Bein mit Leim mal wieder kleben,
mit Gips es bandagieren.
Sei froh, du bist ja noch am Leben!
Doch wie ich seh, am Frieren!

Zurück ins Haus mit dir, du Schlingel!“
Der Notarzt schleppt‘ den Tisch zum Haus
und drückte heftig auf die Klingel.
„Lassen Sie den nicht wieder raus!

Das wird für ihn gefährlich.
Viel besser bleibt er brav zu Haus.
Denn, seien wir mal ehrlich:
Ein Schreibtisch, der gehört nicht raus!“

Für’n Schreibtisch gibt’s nun Tee mit Rum,
um ihn schnell warm zu machen.
Dazu viel liebes Drumherum
und andre feine Sachen. 

So trinkt er nun seit gestern
abwechselnd Rum mit Tee und Rum,
voll abgefüllt dann an Silvestern,
guckt fröhlich er im Raum herum. 

Zwar ist sein Beinchen eingegipst, 
jedoch: er hat kaum Schmerzen. 
Der kleine Schreibtisch wünscht beschwipst 
aus seinem tiefsten Herzen: 

Ein rundum gutes neues Jahr!
Auf, lasst die Korken knallen!
Auf dass es werde wunderbar,
drauf stoß ich an mit Allen!
(bereits zu Silvester 2010 entstanden,
die guten Wünsche sind jedoch weiterhin gültig)
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