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Ganz so schnell wie gedacht ging’s nun doch nicht weiter. Vorausgegangen war ja ein Anschluss einer Wasserleitung am Hauptabflussstrang. Diesen Anschluss hatte der betreffende Installateur wohl nicht regelkonform angebracht. Man stellte mir in Aussicht, zunächst müsse ein Gutachten abgewartet werden, ob der Anschluss in dieser Form in Ordnung sei oder nicht. Wenn ja, könne die Wand einfach wieder abgedichtet und verputzt werden. Wenn nein, müsse ein Teil des Abflussstranges ausgetauscht werden. Das bedeutet: Wand aufstemmen, altes Rohr raus, neues Rohr rein, Wand irgendwie wieder reparieren – wie, das könne man im Moment noch nicht so genau sagen. Und wann? Auch dazu gab es keine konkreten Aussagen, aber: Sämtliche Infos seien jetzt beim Sachverständigen, und eine Entscheidung über das weitere Vorgehen komme sicherlich bald. Auf jeden Fall noch vor Weihnachten.

Ich wartete.

An einem Mittwoch im November hörte ich um die Mittagszeit herum ein zartes Klopfen an der Klowand. Im Häusl nebenan drängten sich drei Installateure und maßen aus, schrieben auf, diskutierten und maßen nochmals aus. Auf Nachfrage teilten sie mir mit, morgen geht’s los!

Ähm … ja … und was wird dann genau gemacht?

Na. Die Wand aufstemmen natürlich. Ein großes Stück Rohr austauschen. Den Pfusch beseitigen. Gleich morgen früh, halb neun.

Ich räumte abends das Klo aus. Obwohl winzig, bietet es doch viel Stauraum: Unter dem unerreichbar hohen Fenster steht ein Rattanregal, an der gegenüberliegenden Wand ein kleines Holzregal. Das eingeschränkte Platzangebot in meinem kombinierten Wohn-/Schlaf-/Ess-/Arbeitszimmer wurde dadurch noch etwas geringer, als Rattanregal und Holzregal umzogen.

Am nächsten Morgen ging es tatsächlich los.

Kurz nach halb neun. Installateur samt Geselle, Lehrbub und Geräte trafen ein. Die Wohnungstür zum Stiegenhaus stand offen, damit die Handwerker ungehindert sowohl das Indische Häusl als mein Häusl erreichen konnten. Ohrenbetäubender Lärm breitete sich aus, große Mauerstücke fielen aus der Klowand, die Sitzgelegenheit hatte ich sicherheitshalber mit einem alten Handtuch abgedeckt. Staubwolken machten eine genaue Sicht auf die Geschehnisse fast unmöglich. Nach ungefähr zwei Minuten plötzlich zwei, drei Sekunden Stille, gewissermaßen die Ruhe vor dem Sturm Wasserschaden. Dann: Zunächst intensives Plätschern, dann heftiges Wasserrauschen, dann komplette Überflutung meines Klos innerhalb kürzester Zeit. Das Klo liegt etwa zwei Zentimeter tiefer als der Rest der Wohnung, das Wasser aus dem Abflussstrang brauchte jedoch nicht lange, um diese Schwelle zu überwinden. Jemand klingelte, obwohl die Tür offen stand, und fragte nach dem Kellerschlüssel. Man wolle nun den Haupthahn im Keller schließen. Ach, jetzt schon?

Die Kellertür ist immer offen, antwortete ich, der Lehrbub sauste hinunter, Meister und Geselle warfen sich beidseitig gegen das angebohrte Abflussrohr, der eine auf der Indischen Seite, der andere auf meiner Kloseite, ich warf sämtliche Handtücher auf die Überflutung.

Man glaubt gar nicht, wie viel Wasser in so einer Leitung ist.

Nach einer gefühlten Ewigkeit hatte der Lehrbub den Haupthahn gefunden und die Wasserzufuhr abgedreht. Man dreht den Haupthahn normalerweise vorher ab, der Laie weiß das.

Meister und Geselle tauschten nun, bei abgedrehter Wasserzufuhr, das Rohr aus. Ich kniete am Boden und versuchte, die Überschwemmung in den Griff zu bekommen. Handtuch ins Wasser tauchen, über den Eimer halten, auswringen. Handtuch ins Wasser tauchen, über den Eimer halten, auswringen. Handtuch ins Wasser tauchen, über den Eimer halten, auswringen. Repeat.

Der Lehrbub lehnte irgendwann am Türrahmen und sah mir bei meiner Tätigkeit interessiert zu.

Ich: „Is was?“

Er: „Jo, ich schau zu!“

Ich: „Jetzt nicht mehr!“

So schnell konnte der nicht zuschauen, wie er den Eimer und das Handtuch in der Hand hatte. Jetzt sah ICH zu. Ein schöner Anblick. Weniger schön war der Blick auf meine Klowand:

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Es gab also jetzt noch mehr Lüftung. Die Schließung der Wand wurde für „bald“ angekündigt. Bevor sie den Schauplatz verließen, machten sie alles sauber, das soll nicht unerwähnt bleiben.

Fortsetzung folgt.

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