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Nächste Woche passierte gar nix, übernächste und überübernächste auch nicht. Ich fand die Lüftungsmöglichkeit inzwischen sogar richtig gut, besonders beim Kochen erwies sich die halb geöffnete Klotür als fast perfekter Dunstabzugshaubenersatz. Der November nebelte vor sich hin, dann war Advent, ich war beschäftigt und vergaß die kaputte Wand sogar hin und wieder. Bis sich mitten im Dezember das Szenario wiederholte: Baulärm, noch mehr Baulärm, ohrenbetäubender Baulärm. Dieses Mal ließ ich die Zwischenstufen aus und schoss sofort ins Stiegenhaus. Handwerker waren mit noch schwererem Gerät zugange. Einer sagte, er habe gerade bei mir klingeln wollen, denn heute sei der Tag des Durchbruchs!

Nun denn. Sie brachen weitere große Mauerstücke aus der Wand, näherten sich einem dicken Abflussrohr, schlossen dort irgendetwas an. Dann beseitigten sie den Dreck und wollten sich verabschieden. Das Loch war nun geringfügig um einiges größer als vorher.

Ein Foto davon habe ich leider nicht.

Moment! Wann wird das wieder zugemacht?!“

Ich erntete ein müdes Lächeln und ein Schulterzucken. Aber immerhin versprach man mir, noch vor Weihnachten, oder … wenn wieder Geld da ist. Ich wartete,

Sehr lästig war, dass bei windigem Wetter – und wann haben wir hier keinen Wind? – Dreck und Sand aus dem Loch rieselte, bei viel Wind überzog eine feine Staubschicht den Klodeckel, den Spülkasten und das Regal, das in meinem Klo steht. Bei noch mehr Wind lösten sich aus dem Loch kleine und größere Teilchen. Es blieb spannend.

Weihnachten kam und ging, die Handwerker kamen nicht. Ich konnte auch nicht ausfindig machen, wer nun tatsächlich für die Sache verantwortlich war. Im Januar passierte dann einiges privat, so dass ich für das Klowandloch keinen Kopf hatte. Später im Jahr sandte ich mehrere Mails an die Hausverwaltung, telefonierte hin und her, alles mit ohne Erfolg.

Im Sommer war die zusätzliche Luftzufuhr recht praktisch, das Klo war ein staubiger, aber kühler Ort, an dem sich die Hitzewelle gut ertragen ließ. Des Weiteren erwies sich das Loch als Abhörkanal zu den Wohnungen über und unter mir. Sollte mir also jemals langweilig werden, hätte ich hier meinen ganz privaten und oft sehr interessanten Flurfunk.

Im Herbst beschloss ich aber: Jetzt muss doch was passieren. Denn wirklich schön war das Ganze ja nicht. Ich hatte nach meinem Einzug die Wände bemalt, die kamen jetzt gar nicht mehr richtig zur Geltung. Das ständige Staubgeriesel störte, im Winter war die einströmende Luft sehr kalt.

So sah das Klo VOR der Aktion aus:

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Eine weitere E-Mail mit der Ankündigung von Mietminderung brachte Erfolg. Schlagartig wurden alle gleichzeitig aktiv: Die Hausverwaltung und der verantwortliche Wohnungsbesitzer, der für die Sache zumindest finanziell zuständig war, begannen hin- und herzumailen, und ein ganzer Pulk von Handwerkern bevölkerte das Stiegenhaus.

Fortsetzung folgt.

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