Schlagwörter

,

Gestern war ich Zwerge hüten. Die Zwerge, das sind meine beiden Enke(r)l, ca. 1,5 und 3,5 Jahre jung. Zum Einschlafritual mussten zwei Hubschrauber mit ins Kinderzimmer, unbedingt, sonst kein Einschlafen möglich. Der Große wollte seinen eigenhändig aus Duppl-Steinen (O-Ton) gebauten Krankenhubschrauber mitnehmen, der Kleine einen Hubschrauber aus Holz. Die Bezeichnung Krankenhubschrauber ist enorm wichtig. Jedes Mal, wenn ich nur „Hubschrauber“ sagte, wurde ich sofort korrigiert. „Das ist ein Krankenhubschrauber! Der fliegt kranke Menschen!“ Leider erlitt der Krankenhubschrauber auf dem Weg vom Bad ins Kinderzimmer einen kleinen Unfall. Sprich, er brach in der Mitte auseinander. Da half nix, einschlafen kann man erst, wenn der Krankenhubschrauber wieder heile ist. Ich versuchte, die Konstruktion zu durchschauen, und half beim Zusammenbau mit. ABER: „Nicht dahin, Oma, da liegt doch der Kranke! DA sitzt der Führer!“

Du meinst den Pilot.“

Nein, den Führer! Da sitzt der Führer!“

Weiterer Widerspruch zwecklos, dann heißt die Duppl-Figur mit dem schwarzen Helm halt Führer. Muss man ja nun nicht unbedingt vergangenheitsbewältigend interpretieren. Mir fiel ein, dass mir neulich eine Bekannte erzählt hat: „Dann hab ich noch meinen Sohn heimg’führt.“ Im Lauf des Gesprächs stellte sich heraus, sie hat ihn mit dem Auto nach Hause gefahren, nicht etwa am Arm geführt. Die Feinheiten dieser Sprache sind immer wieder spannend.

Also, der Krankenhubschrauber war endlich wieder ganz, Krankmensch und Führer am richtigen Platz, Krankenhubschrauber und Holzhubschrauber parkten auf einer Kommode.

Nächster Programmpunkt: Singen.

Vom Zug, Oma, vom Zug!“ Das Lied vom Zug ist nicht etwa „Auf der schwäb’sche Eisebahne“, wie man aufgrund meiner Herkunft vermuten könnte. Beim Lied vom Zug fährt erst eine grüne und dann eine rote Eisenbahn nach beliebiger Melodie im Kreis herum, dann den Berg hinauf, dann den Berg hinunter, dann zum großen Enkel, dann zum kleinen Enkel. Eine weitere Eisenbahn darf zu mir fahren, gewissermaßen als Belohnung fürs kreative-Zuglieder-erfinden-und-singen. Zwischendurch bereicherte der Große mein Gesinge mit eigenem Gesinge: „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“. Er kommt noch nicht über die erste Zeile hinaus – weniger, weil der Text bzw. das Lied zu schwer für ihn sind, als vielmehr deshalb, weil er sich vor Lachen nicht mehr einkriegt.

Und dann noch das zweite Wunschlied. „Vom Mond im Stall will ich!“ Das kannte ich nicht. Zu dumm. „Aber meine Mama kennt das! Da ist der Mond im Stall, und ein Pferd, und eine Krippe!“

Auslöser für „Mond im Stall“ ist ein zauberhaftes Buch von Astrid Lindgren, Weihnachten im Stall. Über dem Stall geht der Weihnachtsstern auf, so groß und hell, dass man ihn schon fast für einen leuchtenden Vollmond halten kann. Für das passende Lied gibt es, ähnlich wie beim Eisenbahnlied, weder eine bekannte Melodie noch verbindliche Textvorschläge. Hauptsache, es kommen die wesentlichen Dinge drin vor: Mond, Stall, Pferd, Krippe.

Nochmal die Kurve gekriegt, das richtige Lied gesungen, alle zufrieden.

Advertisements